Dienstag, 13. März 2012

Bühne frei für das Bielefelder Stadttheater!

Über 100-jährige Unterhaltung durch Tanz, Musik und
Schauspiel in der Altstadt

Die junge Frau im kurzen Blümchenkleid wirft sich auf den Boden, windet sich wie ein Aal und schreit – vor Schmerzen, vor Angst?

Wer weiß das schon so genau! Ein Mann mit Hasenmaske läuft über die Bühne, ein zweiter gleich hinterher.
Willkommen in einer Welt, in der Realität und Fiktion dicht beieinander liegen und manch einer sich fragt: Was soll das? Willkommen im Theater! Theater ist alles, aber eines nicht: langweilig, gleichförmig, unnütz! Da
schmunzelt selbst der dröge Westfale einmal, wenn er sich nach Bielefeld verirrt und dort das Theater besucht. Alles begann 1885. Frau Crüwell, die Witwe des Tabakfabrikanten, stiftet 10.000 Mark zum Bau eines Theater- und Konzertsaals. Immer mehr Spenden kommen zusammen. 1900: Einer der berühmtesten Architekten der Zeit wird bestellt und begutachtet, was der Bau eines Theaters kosten soll. Bernhard Sehring, Berliner Architekt und Schöpfer des „Theater des Westen“ errechnet eine Summe von 500.000
Mark. Die Stadt beschließt, das Theater in Eigenregie zu bauen und es dann zu verpachten. 
Einzige Bedingung: Ein Drittel der Gelder müssen aus Spenden der Bielefelder bestehen. Das Projekt gelingt, Grundsteinlegung des Stadttheaters erfolgt 1901. Am 3. April 1904 eröffnet das Theater,
dicht gelegen neben dem Rathaus, mit der »Jubelouvertüre« von Carl Maria von Weber. Danach wird Schillers »Jungfrau von Orleans« gegeben. Zunächst wird nur bis Ende Mai gespielt. Nach dem ersten Weltkrieg und den darauffolgenden Jahren plagen immer wieder finanzielle Sorgen das Theater,
die Bürger sollen hohe Gelder bereitstellen. Trotz der finanziellen Sorgen gelingt es dem Intendanten, das Notwendige zu beschaffen. So werden beispielsweise der Kostüm- und Möbelfundus systematisch
vergrößert, eine Bibliothek angelegt, Musikinstrumente angeschafft, das Orchester vergrößert. 
 
In der Spielzeit 1925/26 kommt das Gebäude „Brunnenstraße 3“ zum Theater hinzu, damit hat das Theater u.a. endlich eine Probebühne und einen Chorsaal. Auch den zweiten Weltkrieg übersteht das Theater beinahe unbeschadet. 2004 wurde das Theater für rund 28 Millionen Euro frisch renoviert, auch hier halfen die Bielefelder Bürger erneut bei der Finanzierung mit: Jeder Sitzplatz wurde von einem Theaterliebhaber
gesponsert. Neben dem klassischen Theaterstück präsentiert das Bielefelder Theater auch Opern und Musicals, Tanztheater sowie verschiedene Konzerte. Klassiker, wie zum Beispiel Brechts „Dreigroschenoper“ oder „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare, wechseln sich
mit unbekannten Stücken unserer Zeit ab. Ziel des Ensembles ist jedoch immer, ein gemeinsames Erlebnis zu bescheren und die Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit auf die Bühne zu bringen, die im Zugriff virtueller Realitäten auf unser Leben zunehmend droht abhanden zu kommen. Für Kinder und Jugendliche
gibt es ein spezielles Programm. Gern gespielt werden die Grimmschen Märchen, wie Hänsel & Gretel oder das Tapfere Schneiderlein. Bühne frei für das Bielefelder Stadttheater! Über 100-jährige Unterhaltung durch Tanz, Musik und Schauspiel in der Altstadt Höhepunkt des Jahres für die Kleinen: das Weihnachtsstück
im Dezember. So brachten die Schauspieler den Kinderbuchklassiker „Ein Woche voller Samstage“ rund
um die Abenteuer vom Sams und seinem Papa 2011 auf die Bühne. Mitmachen und entdecken – auch dies ist möglich im Theater Bielefeld. In der Theaterballettschule werden Kinder ab sechs Jahren im Klassischen- und Modernen Tanz sowie im Charaktertanz ausgebildet. Wer Lust hat, als Schauspieler, Musiker, Techniker, Videokünstler, Bühnenbildner, Kostümbildner oder Autor an einer Theaterinszenierung
mitzuwirken, kann dies nach erfolgreicher Bewerbung im Jugendclub tun. Speziell für Schulklassen
und alle Interessierten werden Führungen angeboten. Vorstellungen finden täglich statt. 700 Sitzplätze warten
auf die Besucher.
jb, cb, bs, jw

Wo bleibt der Aufschrei der jungen Bielefelder?

Hätte das Bielefelder Rathaus so ähnlich wie der Steuerzahlerverband in Wiesbaden eine Schuldenuhr, so hätte man im Januar diesen Jahres einen historischen Moment erleben können:  Der Schuldenstand der Ostwestfalenmetropole überschritt erstmals die Milliardengrenze. Im Rathaus regt sich darüber aber kaum jemand auf: Nach Angaben von Oberbürgermeister Pit Clausen rechnet man bereits seit längerem mit einem Schuldenanstieg auf 1,25 Milliarden im Jahr 2015. Seit einigen Generationen werden in Bielefeld die Schulden vererbt - immer in der Hoffnung, die nächsten werden es zahlen. Das Problem ist nur: Zahlen sind ins Unendliche belastbar, die Menschen dieser Stadt nicht.

Was die Stadt zusammenhält, ist auch ein Konsens zwischen Jung und Alt. Ist Solidarität. Dazu gehört vor allem Ehrlichkeit. Diese Schulden wird keiner mehr abzahlen können. Doch es ist nicht allein die Schuldenlast, die kommenden Generationen zu schaffen macht. Es ist die Moral der Geschichte. Die wiegt schwer, faktisch und emotional. Faktisch wird der Gestaltungsspielraum immer enger. Geld wird mehr und mehr für Zinsen, Schuldentilgung, Pensionen und Renten ausgegeben werden müssen – die muss zum Glück nicht immer die Stadt zahlen, sondern das Land NRW. Nur das Land ist genauso pleite wie Bielefeld.  

Das alles kann man beklagen. Doch, und vielleicht ist das ein Wendepunkt in der Schulden-Erbfolge, die Generation 30 plus-minus x hat sich damit auf eine gewisse Art abgefunden. Ja, pure Vernunft darf niemals siegen, haben Tocotronic, eine Band dieser Altersgruppe, einmal gesungen. Und das tut sie auch nicht. Aber die Erwartung an die Politik, egal ob in Bielefeld, Düsseldorf oder Berlin, ist eine andere. Bisher mag man sich den Kopf zerbrechen über schlaglochfreie Straßen, eine ausreichende Versorgung mit Kultur, ein funktionierendes Gesundheitsnetz vor der Haustür oder eine ordentliche Absicherung im Falle von Arbeitslosigkeit. Die Adjektive aber ändern sich. Es geht nicht mehr um das Sichere, das Ausreichende. Es geht nur noch um das Mindestmaß, in jedem Sinne. Es geht um eine Mindestsicherung. Das ist nicht schön. Auch die jüngere Generation würde sich über ein "ausreichend" freuen. Aber sie kennt es nicht anders, weder von der Politik noch vom Berufseinstieg.

Zum Sparen haben schon viele Politiker aufgerufen, gefruchtet haben die Appelle bisher kaum. In der Ökonomie gilt Sparen auch nicht als Selbstzweck. Schuldenmachen ist durchaus erlaubt:  Einige Finanzpolitiker empfehlen in Zeiten der Rezession expansive Ausgaben, auch auf Pump. Läuft die Konjunktur rund, und die Steuereinnahmen sprudeln, sollen die Ausgaben dann aber wieder gesenkt und die Schulden getilgt werden. In der Praxis hat die Politik – egal ob in Bielefeld, im NRW-Länderetat oder auf Bundesebene - freilich zusätzliche Steuereinnahmen stets zur Ausgabensteigerung und nicht zur Schuldentilgung genutzt.

Finanzwissenschaftler haben nichts gegen Kredite, wenn damit langlebige Investitionen finanziert werden. Zum Beispiel Verkehrswege, die auch in kommenden Jahrzehnten genutzt werden können. Die Schulden dienen dann dazu, die Kosten der Investition über die Jahrzehnte zu verteilen. Doch auch dies ist nur graue Theorie: Schulden werden hierzulande nicht nur für Investitionen gemacht, sondern auch für konsumtive Zwecke. Das Geld wird auf Kosten der nächsten Generation verfrühstückt, die dann dafür immer noch Zinsen zahlen darf. Gerade in Gesellschaften mit geringem Zukunftsbezug, in denen Alte und Kinderlose dominieren, ist die Neigung zum Schuldenmachen groß. Die künftige Generation sitzt auch in Bielefeld nicht mit am Tisch, wenn über Ausgaben entschieden wird.

Ohnehin misstrauen die Ökonomen dem Sparwillen der Politiker zutiefst. Wie schwer diesen das Sparen fällt, zeigt die Diskussion um die Erhöhung der Gewerbesteuer in Bielefeld. Dahinter stehen die Begehrlichkeiten der Politiker quer durch alle Parteien. Ausgeben macht halt mehr Spaß als Sparen. In jedem Politiker steckt ein Weihnachtsmann, der mit Wahlgeschenken die nötigen Stimmen für die Wiederwahl zusammenbekommen möchte.

Ökonomen kennen daher auch nur ein Mittel, die Ausgabenwut der Politik zu begrenzen: Zwang. Nur durch externe Vorgaben lassen sich die Ausgaben bremsen. Doch langsam wächst der Sparwille. Dies hängt auch mit der Erkenntnis zusammen, dass steigende Schulden den Handlungsspielraum der Stadt immer mehr einschränken. Wie hoch die städtische Gesamtverschuldung samt der kommunalen Eigenbetriebe (Bühnen, Umweltbetrieb, Immobilienservicebetrieb) ist, macht eine Zahl deutlich: Sie entspricht in etwa dem Gesamtvolumen des laufenden Etats. Das gesamte Vermögen der Stadt beläuft sich auf etwa 2,5 Milliarden Euro. Das habe 2009 die Bilanz für das neue städtische Buchhaltungssystem gezeigt, erklärte Joachim Berens, Geschäftsführer der Bielefelder Beteiligungsgesellschaft, im Gespräch mit Journalisten.

Natürlich sind Bildung und Forschung die Felder, in die Bielefeld investieren muss. Und es stimmt auch, dass wir viel Geld für die Bedürfnisse von heute ausgeben und zu wenig für die von morgen.  Aber die kommunalen Politiker zieht daraus einen Schluss, der das politische Grundübel der Politik in Bielefeld offen legt: Anstatt der einen Generation möglichst fair zu nehmen, was die nächste dringender braucht, soll es Investitionen in die Zukunft lieber auf Pump geben, wenn das Geld nicht für alles und alle reicht.

So lässt sich der Wohlstand in Bielefeld nicht retten. Im Gegenteil: So wird er mit einer kaum mehr zu tragenden Hypothek belastet, denn Schulden sind Schulden. Sie sind nachweislich die Steuern von morgen und erdrückende Last für die Jungen, die kaum mitreden können, wenn sie gemacht werden. Es ist ein bislang unbekannter Gipfel des Widersinns, Schulden zu rechtfertigen mit vermeintlich vorsorgenden Investitionen in die Zukunft derer, die jene Schulden später abbezahlen müssen - und daran wahrscheinlich ersticken werden. Klar ist: der Zeithorizont auch in der Bielefelder Lokalpolitik scheint auf die Gegenwart beschränkt, er bemisst sich nach technischen Innovationszyklen von Wochen oder Monaten und umfasst selbst in der Politik, wo es doch angeblich um die Zukunft geht, nicht mehr als eine Legislaturperiode von vier oder fünf Jahren.
Wer heute von einem Generationenprojekt redet, denkt an Sonderrechte für sich und seine Freunde. Weil er den Sinn für Kontinuität verloren hat, halst er den nächsten Generationen Versorgungslasten und öffentliche Schulden in einer Höhe auf, die er, wären sie ihm selbst zugemutet worden, voller Empörung von sich gewiesen hätte. Der umverteilende Sozialstaat kann die Gesetze der intergenerativen Gerechtigkeit eine ganze Zeit lang ignorieren, aber nicht dauerhaft außer Kraft setzen. Der Generationenbegriff wird sich in seiner ursprünglichen Bedeutung, die etwas mit generieren zu tun hat, wieder bemerkbar machen.

Dann werden sich die Jüngeren daran erinnern, wie die Älteren mit ihnen umgegangen sind, und es genauso machen. Natürlich werden sie den Generationenkonflikt nicht mehr nach dem Muster der griechischen Mythologie austragen, wo Zeus seinen Vater mit der Sichel entmannte und sich auf diese Weise selbst zum Herrscher machte. Alles wird nach den bekannten wohlfahrtsstaatlichen Regeln ablaufen, gesetzlich also, kühl und mitleidlos. Den Beitragserhöhungen, wie sie jahrzehntelang üblich waren, werden ebensolche Leistungskürzungen folgen, der Wohlfahrtsstaat wird für immer mehr Geld immer weniger bieten – und es könnte zu einer Re-Lokalisierung der Politik kommen. Denn dass Bielefeld pleite ist, hat auch etwas mit dem Bund zu tun. Dort wurden sozialpolitische Gaben erdacht, die symphatisch klingen, aber von den Kommunen vor Ort finanziert werden müssen – und die unter dieser Last zerbrechen.

Von Resignation darf in Bielefeld dennoch keine Rede sein. Denn das Mindeste hat auch eine andere Seite. Eine, die Ansprüche an die Lokalpolitik und deren aktuelle Akteure stellt. Politik soll Spielraum nutzen, den sie trotz allem hat, um den Rahmen zu schaffen, in dem diese Generationen ihre Aufgaben bewältigen können. Geld in Bildung, in Kinderbetreuung und ja, auch in Hochschulen investieren. Politik soll also nicht mehr vom Abbau der Schulden reden. Sie soll Perspektiven aufzeigen, wie sie mit dem Ergebnis dieses jahrzehntelangen Exzesses umgeht. Das entbindet nicht vom Sparen, aber zwingt zum Umdenken. Sozial ist, was kommenden Generationen in dieser Stadt ermöglicht, mit der finanziellen Lage umzugehen. Ihr, die Politiker, solltet  ausreichend und qualitativ hochwertige Kitaplätze zusichern, damit wir Bürger arbeiten gehen können, die Renten finanzieren. Um jedoch wertschöpfende Arbeitsplätze überhaupt halten zu können, braucht wir Wissenschaft und Innovation, sonst entstehen diese Arbeitsplätze in Rumänien oder in Vietnam, aber nicht mehr in Bielefeld. Das ist Aufgabe der Politik hier vor Ort. Das ist das Verlangen nach einer neuen Ehrlichkeit, nach einer anderen Form der Gerechtigkeit. Und nach einer neuen Leidenschaft. Angemahnt werden diese Investitionen schon lang, nur bleibt alles halbherzig. Zu klein ist die junge Generation als Wählergruppe und zu wenig erkennt diese Generation, dass ihre Zukunft bereits halb verzockt wurde.

mb

Bielefeld? Ich dachte das gibt es nicht...




Mit dieser Einstellung steh ich bestimmt nicht alleine da. Viele haben sich schon gefragt, ob Bielefeld nur ein Punkt auf der Landkarte ist, wo komplette Einöde herrscht.

Das Bermuda-Dreieck Deutschlands! Die Reise nach Bielefeld lässt mich voller Erwartungen hoffen, was ich gleich zu Gesicht bekomme. Wie sehen dort die Menschen aus? Gibt es dort überhaupt Menschen? Wohnen diese in normalen Häusern? Fragen über Fragen sammeln sich in meinem Kopf. Die einstündige ICE-Fahrt von Hannover nach Bielefeld gestaltet sich eher unspektakulär. Nein ich möchte keinen Kaffee sondern meine Ruhe und nein neben mir ist auch kein Sitzplatz frei.

Schließlich muss ich mich auf Bielefeld vorbereiten und kann keine Ablenkung gebrauchen. 9:10 Uhr Menschen stehen in hektischen Bewegungen auf und gehen Richtung Tür. Mein Blick aus dem ICE-Fenster verrät mir jedoch, dass wir mitten in der Pampa sind und nicht mal ein Bruchteil eines Gebäudes zu sehen ist. Mich durchschießen sofort Gedanken wie: ist Bielefeld eigentlich nur Feld, hält der ICE überhaupt an oder muss man bei verminderter Fahrt den Zug verlassen? Minuten der Angst überkommen mich, ist Bielefeld wie ein schwarzes Loch und lässt einen nicht mehr heraus. Sollte ich mich noch schnell von Freunden auf Facebook verabschieden und mein Testament kurz posten.

9:19 Uhr eine Stimme erklingt: „In wenigen Minuten erreichen Sie Bielefeld Hauptbahnhof“. Die angekündigten wenigen Minuten stellten sich als 30 Sekunden heraus. Mit Mühe und Not schaffe ich es, meine Jacke anzuziehen und den hereinströmenden Menschen auszuweichen, um meinen Fuß auf Bielefelder Boden abzustellen.

Mein Blick wandert zu der Bahnhofs-Anzeige, um mich noch einmal zu vergewissern, wo ich mich gerade befinde. Und tatsächlich, ich bin in Bielefeld. In Trance wandert mein Blick über die Gleise, sieht eigentlich alles ziemlich normal aus, nur das arabische Hallenbad neben dem Bahnhof scheint ein wenig deplatziert.

So weit so gut. Die Bielefelder Innenstadt stellt sich als klein aber gut erreichbar dar. Die Menschen die durch, die Straßen wandern sehen normal und nett aus. Im Gespräch mit einem Bielefelder was dass tollste an der Stadt ist, stellt man schnell heraus, dass Dr. Oetker auf Platz eins liegt. Dieses internationale Unternehmen verschafft Bielefeld, den vermissten Glamour.
Geht es um die Architektur so besteht Bielefeld aus Plattenbauten der 70er Jahre, die ihre besten Tage schon lange hinter sich haben. Den meisten Bielefeldern ist dieses zwar bewusst aber darauf wird kein großer Wert gelegt.
Ein Bielefelder muss immer wieder betonen das Bielefeld zu dem Kreis OWL gehört, dass macht es zwar für einen Außenstehenden nicht besser aber anscheinend ist es für einen Bielefelder weltbewegend.

Neben diesen Attributen ist Bielefeld stolz auf ihre Sparrenburg, welche so hoch gelegen ist, dass man nach dem Erklingen des Berges ein Sauerstoffzelt braucht. Und der Teutoburger Wald der die Stadt in zwei teilt. Na Mensch so ein Wald ist schon toll.

Jedoch muss man Bielefeld in vielen Sachen loben. Der sogenannte Kaffee-Strich hat mir den besten Kakao meines Lebens beschert und auch die kulinarische Seite Bielefelds ist sehr lecker. Natürlich muss man Bielefeld auch ein paar Geschmacksverirrungen zu gute kommen lassen. Der sogenannte Pickert stellt auf dem ersten Blick eine Dschungelprüfung dar, jedoch ist dieser sehr wohlschmeckend.

Das Bielefelder Nachtleben kann mit Großstädten durchaus mithalten und das feierwütige Partyvolk kann dazu vieles beitragen.

Nach insgesamt 24 Stunden verlasse ich Bielefeld und kann schlussendlich sagen, ja es gibt Bielefeld und ja, es lohnt sich auch, Bielefeld kennenzulernen. Denn das Highlight überhaupt entdeckt man direkt am Bahnhof, der junge Herr der die Durchsagen macht hat nicht nur eine außergewöhnliche prägnante Stimme, sondern er sorgt auch dafür, dass man auch bei langen Verspätungen ein Lächeln auf den Lippen hat.
Als ich Bielefeld verlassen will, erklingt seine Stimme um mir mitzuteilen, das mein ICE wenige Minuten später eintreffen wird, im Hintergrund ist ein jaulender Hund zu hören. Nachdem der Standardsatz für allgemeine Verspätungen erklungen ist, hört man den Hund weiterwinseln worauf der Schaffner mit einem stöhnenden „Oh ja mach weiter“ reagiert. Der ganze Bahnhof erbebt durch eine Welle des Lachens.

Bielefeld ist skurril und ein Mythos und vielleicht auch ein Fall für X-Factor: das Unfassbare aber es ist auch bodenständig sympathisch und lieber außergewöhnlich als langweilig. Und langweilig ist Bielefeld bestimmt nicht!

„And the Pudding goes to... „ Kabarettpreis 2012 mit neuen Talenten / Till Reiners holt den Pudding

Wenn aus lustiger Grütze Pudding wird, kann nur die Rede vom Bielefelder Kabarettpreis sein. In diesem Jahr ging der Preis an den Berliner Komiker Till Reiners, der ihn mit großer Freude entgegen genommen hat. Der an die Wand genagelte Pudding-Preis wird einmal im Jahr verliehen und ist das ostwestfälische Sprungbrett für junge Künstler aus ganz Deutschland. 

Der begehrte Pudding-Preis wurde in diesem Jahr am 25. Februar auf der Kleinkunstbühne des Zweischlingen-Lokals verliehen. Der Gewinner Till Reiners kann sich jetzt nicht nur den bunten Pudding an die Wand nageln, er erhält zusätzlich 2.500 Euro und einen Komplettauftritt im Szene-Lokal. Reiners musste sich gegen Fee Badenius aus Hamburg und den Bonner Sebastian Nitsch im Finale durchsetzen. Der 34-jährige Nitsch glänzte mit seinem Umhänge-Keyboard und Parodien aus seinem Leben. Die charmante Fee Badenuis entzückte das Publikum mit ihrem gekonnten rehhaften Augenaufschlag und ihrer hinreißenden Art. Doch vom liebreizenden Äußeren sollte sich der Zuschauer nicht täuschen lassen, denn die 26-jährige Hamburgerin wettert in ihren Liedtexten schonungslos offen gegen die Männerwelt. 

Der Gewinner Reiners beeindruckte die fünfköpfige Jury mit bissiger Sozialkritik:
„Wut ist Treibstoff. Wir sind hier in Deutschland, da haben wir kein Öl. Da bleibt uns nur die Wut. Das ist unser kostbarster Rohstoff.“

Seinen Gedankenketten folgte das Publikum gespannt und gerne. Der Berliner ist nicht nur in Kabarettkreisen bekannt, er hat sich auch schon in der Poetry-Slam-Szene einen Namen gemacht. Komiker Bülent Ceylan wurde durch den Pudding-Preis bekannt in den 15. Jahren des Wettbewerbs, entpuppten sich manche Stars, die heute große Hallen füllen. Eine der Größen ist der halb-türke Bülent Ceylan, der mittlerweile eine eigne Show auf dem Privatsender RTL hat. Sein erster Auftritt im Zweischlingen ist elf Jahre her. Ein weiterer Pudding-Preis Besitzer ist Johann König, der schon damals mit seiner verklemmten Art das Publikum begeisterte. Zum Jubiläum gab es den grünen Pudding-Preis mit Glitzer Der Pudding-Preis wurde 1998 von der Kabarettgemeinschaft Bielefeld e.V. ins Leben gerufen. Außerdem beteiligt sich an der Organisation als Mitveranstalter von „Newtone Management“ Tom Kummerfeldt. Der Mitveranstalter Kummerfeldt ist von der ersten Stunde dabei und erlebte schon viele Künstler, die erst unscheinbar für ihn waren. So zum Beispiel die bayrische Komikerin Martina Schwarzmann, die mit einer Gitarre das Zweischlingen betrat und zunächst von keinem erkannt wurde, sich dann aber auf der Bühne als Feuerwerk der guten Laune entpuppte. Das Publikum kann gespannt sein, welche jungen Talente im kommenden Jahr 2013 auftreten, denn im Zweischlingen spürt man noch das erste Herzklopfen von Kabarettgrößen in Spe.

sg, fm, hn



Gedankenleser oder über den Versuch, nachträglich klüger zu werden




Von Marcus Bölz



Synaps ist Synaps, und Dienst ist Dienst - dieses alte Sprichwort trifft auf die Spezies der Hirnforscher nun gar nicht zu. Synaps ist Dienst bei dieser Art von Wissenschaftlern - und der Dienst an den Synapsen geht mittlerweile so weit, dass Otto Normalhirni demnächst wahrscheinlich nicht mehr selber denken muss. Der Hirnforscher nämlich kann Gedankenlesen. Wofür Hexen in der frühen Neuzeit verbrannt wurden (auch weil die Universitätsabteilungen der Neuroethiker damals wegen fehlenden Bafögs personell noch sehr dünn ausgestattet waren), bringt heute wissenschaftlichen Ruhm und intersubjektiv transmissible Ehre, wie wir Anhänger der Elektrostimulation kortikaler Areale vor uns hinsäuseln. Aber das nur am Rande.

Hirnforscher zapfen also das Hirn an und können mittlerweile feststellen, was der Hirneigentümer so denkt - noch bevor der Hirneigentümer selber weiß, was er denkt. Das funktioniert jetzt aber nicht etwa so, dass studentische Hilfskräfte die 15 Milliarden Nervenzellen im Hirn von Hand durchzählen und protokollieren, was diese so tun - und sich hinterher beklagen, ihr Studium dauere so lange. Keine Bange! Die Aktivität der Neuronen wird von Magnetresonanztomografen aufgezeichnet und von Computern ausgemessen. Das mechanische Gedankenlesen geht deshalb unter dem Stichwort "Neuronenbombe" in die Wissenschaftsgeschichte ein. Aber das nur am Rande. Denn eigentlich geht es doch darum, den Wunsch eines anonym bleibend wollenden Ex-FHM-Studierenden mal öffentlich in die Runde zu werfen, der vor Beendigung seines Studiums im Vertrauen meinte: Hätte ich doch lieber Architektur studiert.

Ja, Architekten. Wenn man abends aus dem Fenster auf die graue Wand gegenüber schaut und über sein grauenhaft graues Dasein nachdenkt, kann es passieren, dass ein stilvoller Herr sein schwarzes Cabrio vor dem Altbau nebenan parkt und mit einer unfassbar intelligenten und attraktiven Frau im Hauseingang verschwindet. Kurze Zeit später geht das Licht in der beneidenswert geschmackvoll eingerichteten, vollverglasten Dachwohnung an. Ein Architekt, denkt man, bestimmt ein Architekt. Architekt müsste man sein. Was Architekten alles können! Beim Italiener einen Flughafen auf die Serviette kritzeln, zwanzig Millionen Honorar dafür kassieren und mit dem Porsche nach Cannes donnern, wo die Segelyacht liegt, auf der lolloförmig die Freundin liegt. Das können Architekten.
Architekten behaupten allerdings, alles sei gar nicht so. Und dass sie arme Designerwürstchen seien, unglücklich bis in beide Zipfel. Sagen, sie bekämen keine Aufträge, nur Magengeschwüre, und am Ende falle ihnen beim nächtlichen Plänezeichnen die Netzhaut ab, wie es Le Corbusier passiert ist. Außerdem möge sie keiner. „Alles Schwachköpfe“, sagte Flaubert über die Architekten, „vergessen immer die Treppen. “ Trotzdem: Von Bravo nach Traumberufen befragt, antworteten die meisten Jugendlichen „Journalist“, hihi, dann aber gleich „Architekt“. Weit abgeschlagen Ärzte, Börsenmakler, Künstler. Klar: Ärzte gelten als gute Menschen, müssen aber jeden Tag jammernde Leute abtasten und ein Leben in weiß gekachelten Korridoren führen. Börsenmakler verdienen einen Haufen Geld, aber das Image ist einfach vollkommen zerstört. Künstler suchen im Schlamm der Ölfarben sich selbst, sind aber bitterarm, immer verkannt. Will man so leben? Der Architekt verbindet Moral und Moneten, Business und Bohème, ist reich wie ein Broker, kreativ wie ein Künstler, wohltätig wie ein Arzt.

Stars werden neidisch, wenn sie Architekten sehen. Brad Pitt erklärte jüngst, er wolle Landschaftsarchitekt werden, plane eine ganze Siedlung. Bretter-Pitt, der Betonbeau! Angeblich steht die Siedlung bereits. Was will er? Ein Leben führen wie Lothar Matthäus, dem gelernten Raumausstatter, dessen unvergessliche Aussage: „Das wäre dann so in Richtung Innenarchitekt weitergegangen“ eine ganze Branche in Aufwallung gebracht hat? Hmm. Will man wirklich Architekt sein? Nicht doch lieber Prinz? Star? Ach. Hauptsache Milliardär.

Dass Lothar Matthäus ("Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen!") sich in sachter Regelmäßigkeit mit blutjunge Damen vermählt, ist bekannt. Dass er jetzt schon wieder durch die Trennung von seiner jüngsten Ehefrau auffällig wird, wundert einen deshalb nur bedingt. Lothar Matthäus sagt: "Ich brauche noch einige Zeit, um nachzudenken." Das ist ein Problem. So viel Zeit haben wir nicht. Zitieren wir deshalb schnell die frühere RTL-Sexpertin Erika Berger, auch schon über 70, die Lothar Matthäus im Küchenpsychologie-Fachblatt "Das Neue" folgende Standpauke gehalten hat: "Überlegen Sie, was Sie wirklich wollen. Sie sollten ein Mann mit Verstand werden." Geht das? Nachträglich? Okay, man hat ja jetzt auch festgestellt, dass die Strahlung von Mobiltelefonen Mäuse vor Alzheimer schützen und sogar nachträglich heilen können. Und ein Lothar Matthäus telefoniert ja ständig mobil. Vielleicht sind seine Mäuse deshalb nach einiger Zeit immer so nachdenklich geworden. Vielleicht wollten sie sich deshalb auch immer gleich scheiden lassen. Vor einiger Zeit gab es tatsächlich Menschen in Bielefeld, die ernsthaft erwogen haben, Lothar Matthäus als Trainer bei der Arminia zu installieren. Gott sei Dank, dass dieser Kelch an OWL vorbeizog.

Interessant wäre jetzt zu erfahren, ob irgendein Magnetresonanztomograf dieser Erde schon weiß, was der Schreiber dieser Zeilen noch nicht weiß: wie nämlich diese Glosse enden soll. Einfach so? Ohne Schlusspointe? Das wäre dann ein Fall für die Neuroethiker. Oder für den Presserat? Der Autor könnte auch mal aus Erfahrung nachträglich klüger werden.


Ein Leben in Bielefeld

Die 82-jährige Inge Winterhalter(geborene Gössling) ist fest mit ihrer Heimatstadt Bielefeld verwurzelt. Besonders im Norden Bielefelds, in „ihrem“ Stadtteil Schildesche, fühlt sie sich heimisch. Bereits 1947, kurz vor ihrem Abitur und ihrer anschließenden Ausbildung zur Bankkauffrau, lernte die damals 17 Jährige ihren späteren Ehemann Friedemann Winterhalter kennen, den sie zwei Jahre später heiratete. Zusammen mit ihrem 1999 verstorbenen Mann hat sie drei Kinder. Mit vielen Orten in Bielefeld verbindet Inge Winterhalter einen Teil ihrer persönlichen Geschichte. Dazu zählen unter anderem das Restaurant „Schöne Aussicht“ in der Nähe der Sparrenburg, ein ganz besonderes Haus im Bielefelder Stadtteil Schildesche sowie die im Norden Bielefelds gelegene Eisenbahnbrücke.

Das Restaurant und Tanzlokal „Schöne Aussicht“
Noch heute sind das Restaurant und der 1985 erbaute Wellness-Club „Schöne Aussicht“ im Bielefelder Stadtteil Gadderbaum ein beliebtes Ausflugsziel bei Wanderern und Erholungssuchenden. Schon in den 1930er-Jahren lockte das Restaurant vor allem aufgrund seiner Lage über der Stadt und der Nähe zur Sparrenburg viele Spaziergänger zum Verweilen ein. „Besonders an den Wochenenden habe ich mit meinen Eltern kleine Ausflüge zur ‚Schönen Aussicht‘ unternommen. Wir sind dort oft mit befreundeten Familien und deren Kindern bis zum Restaurant spaziert. Damals war dort noch im Garten ein Affenkäfig mit einigen Schimpansen. Neugierig wie kleine Kinder sind, habe ich meinen Kopf durch die Gitterstäbe gedrückt und konnte ihn nicht mehr herausziehen. Erst mein Vater und ein herbeigeeilter Freund von ihm konnten die Gitterstäbe so weit auseinander ziehen, sodass meine Mutter meinen Kopf herausführen konnte. Von da an habe ich den Affenkäfig natürlich immer gemieden“, scherzt Inge Winterhalter. „Nach dem Krieg war ich dort oft mit meinem Freund und späteren Mann zum Tanzen. Einige Male haben wir dort auch die Hochzeiten von Freunden und Bekannten gefeiert. Man kann also sagen, dass mich die ‚Schöne Aussicht“ immer wieder begleitet hat.“

Das Haus der Familie Grönewald
Das NS-Regime trieb die Ausgrenzung und Diskriminierung der Juden in Deutschland in den Jahren nach der Machtergreifung 1933 immer weiter voran. Mit der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 gipfelte diese systematische Ausgrenzung zum ersten Mal in groß angelegten und gelenkten Gewaltmaßnahmen gegenüber den Juden. Im Anschluss wurden immer mehr Juden in Konzentrationslagern deportiert und ab 1941 systematisch in sogenannten Vernichtungslagern ermordet. Auch in Bielefeld kam es zu Übergriffen und Deportationen von Juden und anderen Menschen, die das NS-Regime als „minderwertig“, störend oder aufwieglerisch erachtete. In besonderer Erinnerung ist Inge Winterhalter die jüdische Familie Grönewald.
„Meine Mutter Klara Gössling war Schneiderin und ging nachts heimlich zu der Familie Grönewald, um bei ihnen für die Anfertigung von Kleidung Maß zu nehmen. Wenn herausgekommen wäre, dass sie für eine jüdische Familie Kleider schneidert, hätte meine Mutter mit schweren Strafen rechnen müssen. Zum Dank erhielt sie von der Familie eine Kristallschale, die wir heute noch besitzen. Viele Familien brachten ihre Kinder ins Ausland als die Ausgrenzung und die Verfolgung der Juden zunahm. So handelten auch die Grönewalds, indem sie ihre Kinder nach Südamerika schickten. Herr Grönewald wollte Deutschland nicht verlassen, weil er der Auffassung war, dass ihn und seine Frau seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg vor weiteren Übergriffen des NS-Regimes schützen würde.
Mit vielen anderen Juden wurden auch die Grönewalds vor ihrer Deportation in ein Konzentrationslager in einem Saal am Kesselbrink gesammelt und mussten unter Zwang unterschreiben, dass sie auf ihr Haus und ihren übrigen Besitz verzichten. Als die Menschen in Bielefeld davon erfuhren, begannen sie, das Haus der Familie zu plündern. Nach der Schule, ich muss etwa elf Jahr alt gewesen sein, ging ich zusammen mit einer Schulfreundin zu dem Haus, wo viele andere Leute dabei waren, Dinge aus dem Haus zu tragen. In einem Zimmer fanden wir einige Nesthäkchen-Bände der Kinderbuchautorin Else Ury, die wir beide sehr gerne lasen. Als ich mit dem Buch nach Hause kam, war meine Mutter entsetzt und schickte mich zurück in das Haus der Grönewalds. Meiner Mutter ließ den Einwand nicht gelten, dass meine Schulfreundin sich dann das Buch nehmen würde und unter Tränen legte ich den Nesthäkchen-Band wieder zurück in das Zimmer im Haus der Grönewalds.“
Der Schildescher Viadukt
Mit vielen geschichtsträchtigen Orten in Bielefeld verbindet die 82-Jährige auch ihre ganz persönliche Geschichte. Dazu zählt besonders der Schildescher Viadukt, der das Johannisbachtal überbrückt und so den Zugverkehr zwischen Minden und Hamm ermöglicht. „Die Bahnstrecke ist nur einen Kilometer weit entfernt von meinem Haus. Als die Eisenbahnbrücke 1847 erbaut wurde, half mein Ur-Großvater beim Bau. Weil zunehmend immer mehr Unternehmen ihre Fertigung auf automatische Webmaschinen umstellten, gehörte auch er zu den vielen Angestellten, die ihre Arbeit in den Textilmanufakturen verloren. Folglich war er sehr froh, auf der Baustelle des Viadukts eine Anstellung zu haben. Doch durch den feinen Staub auf der Baustelle zog er sich eine Lungenkrankheit zu, die ihn bereits mit 48 Jahren dahinraffte.“
Als im September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begann, wurde der Schildescher Viadukt zu einem wichtigen Ziel der alliierten Bomberverbände. Erst kurz vor Kriegsende am 14. März 1945 konnten britische Bomber den Viadukt mit einer zehn Tonnen schweren Spezialbombe zerstören. Das Gebiet um die Eisenbahnbrücke glich einer Kraterlandschaft. Nur wenige Häuser in der unmittelbaren Umgebung blieben von den unzähligen Angriffen verschont – das Haus von Inge Winterhalters Familie zählte dazu: „Für die Schildescher war es ein befreiendes Gefühl. Mit der Zerstörung des Viadukts mussten sie nun endlich keine Bomber mehr fürchten. Besonders befreiend war es auch für mich, denn mein Vater war in der Wehrmacht und wurde damit beauftragt, den Viadukt vor Sabotageakten zu sichern und ihn beim Anflug von Bombergeschwadern zu vernebeln, um den alliierten Besatzungen das Bombardieren der Eisenbahnbrücke zu erschweren.
Nach der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 kamen immer wieder britische und amerikanische Offiziere zur zerstörten Brücke, um die Schäden zu begutachten. Für die Kinder, genau wie für meinen 1951 geborenen Sohn Ulrich, waren die Ruine des Viadukts und die mit Wasser gefüllten Bombenkrater wie ein großer Spielplatz. Nach dem Krieg war mein Mann bei der Baufirma Philipp Holzmann tätig. Als die Brücke wieder aufgebaut wurde, war er auf der Baustelle als Bauleiter tätig. Man kann also sagen, dass ich eine sehr gute Verbindung zu diesem Bauwerk habe.“

Wenn ich beispielsweise einkaufen gehe, mit der Straßenbahn in die Stadt fahre oder Freunde besuche, komme ich an vielen Orten oder Gebäuden vorbei, mit denen ich unzählige Erinnerungen verbinde. Das lässt Bielefeld und ganz besonders Schildesche zu meiner Heimat werden.“

sw